Advent = lateinisch adventus „Ankunft“

15.11.2018

SPR / PvH

Advent = lateinisch adventus "Ankunft", eigentlich adventus Domini "Ankunft des Herren". Bald beginnt sie wieder, die Lichterzeit des Jahres.

Die Adventszeit ist heutzutage oft eine stressige Zeit. Man muss das Haus putzen,  schmücken sowie Weihnachtsgeschenke kaufen. Und dabei bloß kein Geschnenk vergessen. Je teurer, desto besser, und man sieht jetzt schon wieder viele Menschen mit einem "Was-soll-ich-bloß-schenken-Blick" in den Geschäften.

Ach ja, Kekse müssen noch gebacken werden. Die Kinder wollen auch noch Weihnachtsschmuck und Geschenke basteln und brauchen Hilfe. Ganz zu schweigen von dem Rest der Familie, der nur auf eine Einladung zu Weihnachten und ein großes Festessen wartet. Also, Einkaufszettel vorbereiten, pünktlich einkaufen und ja nicht vergessen, die Gans rechtzeitig in die Röhre zu schieben. Hab ich was vergessen? Natürlich, wir brauchen noch den Weihnachtsbaum. Der muss noch gekauft und geschmückt werden, und die Geschenke müssen auch noch eingepackt werden.

Beim Weihnachtsbaum kommen Erinnerungen hoch. Ich weiß noch ganz genau, dass der Kauf eines Baumes immer die Sache meines Vaters war. Und das hat auch immer dann funktioniert, wenn er allein los war. Aber meistens sind wir alle mitgegangen. Und dann war Streit zwischen unseren Eltern vorprogrammiert. Ich weiß bis heute nicht warum, aber bei der Baumauswahl haben sie immer gestritten. Und das ging bis zu dem Moment, in dem der Baum fertig geschmückt im Wohnzimmer stand. Also Stress pur.

Ich habe auch drei Kinder groß gezogen und einiges an Weihnachtsstress hinter mir. Doch als die Kinder erwachsen wurden und das Haus verließen, fand ich es an der Zeit einige Dinge zu ändern......Bei uns gibt es kein großes aufwendiges Festmenü, nur weil gerade Weihnachten ist.

Wir essen das, worauf wir Appetit haben und was uns schmeckt. Die Kinder leben weit verstreut und feiern lieber ihr eigenes Weihnachten, so wie es in vielen anderen Familien heut zu Tage auch der Fall ist. Das mag man gut finden oder auch nicht, aber so brauchen wir uns auch keinen Kopf über Einladungen und Geschenke machen. So gesehen auch ein Vorteil.

Aber die Adventszeit ist für mich trotzdem eine ganz besondere Zeit - eine Zeit des Lichtes und der Besinnlichkeit. Ich liebe es, wenn die vielen Lichter, mit denen die Wohnung geschmückt ist, mit ihrem sanften und warmen Licht das Grau und Dunkel der Tage, der Gedanken und des Herzens verdrängt. Das Flackern der Kerzen, die für mich dazugehören, strömt mit seiner Wärme und seinem Schein direkt in mich und schenkt mir damit Ruhe und Besinnlichkeit. Der Duft von gebackenen Keksen, oder auf dem Weihnachtsmarkt der Duft von Punsch und Mandeln lässt mich den Alltag ein wenig vergessen und schenkt mir die Geborgenheit, die ich auch als Kind schon gespürt hatte. Ich sitze gerne zu Hause auf dem Sofa und schaue einfach nur den Kerzen beim Brennen zu - in Gedanken irgendwo weit weg. Und dennoch fühle ich mich in dem Moment frei und entspannt.

Warum also muss immer alles so perfekt sein, nur weil Weihnachten ist? Warum gönnen wir uns nicht einfach diese Momente der Auszeit? Warum machen wir die Adventszeit nicht für uns zu eine Zeit, wie wir sie uns eigentlich wünschen? Nämlich mit viel Licht, Ruhe und Besinnlichkeit. Nicht über den Weihnachtsmarkt gehen, weil die Kinder es wollen, sondern weil wir das Licht, die Düfte und die Nähe der Menschen erleben wollen. Was gibt es Schöneres, als ein nettes Gespräch mit anderen Leuten bei einem Becher Punsch, umgeben von viel Licht und aufregenden Gerüchen.

Foto: Lars Underberg

Wir jedenfalls werden uns in diesem Jahr beim Budenzauber in Kropp von den Lichtern und Gerüchen verzaubern lassen. Und vielleicht trifft man dort den Einen oder Anderen auf einen kleinen Plausch. Und sollten Sie auch dort sein und uns sehen, sprechen Sie uns gern an. Denn miteinander zu reden und gemeinsam zu lachen ist oft schon der erste Schritt zu einer entspannteren Adventszeit.

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