Das elende Gaffer-Syndrom

18.03.2018

Der Autor der folgenden Zeilen war viele Jahre selbst auf einem RTH (Rettungs-Hubschrauber) als Sanitäter im Einsatz

Dass einige TV-Sender ihre Zuschauer mit zweifelhaften Sendungen und TV-Formaten, in denen die Unzulänglichkeiten und Probleme anderer Menschen ausschweifend dar gestellt werden bedienen, ist inzwischen der normale TV-Alltag geworden. Scheinbar finden viele Zeitgenossen es halt irgendwie "befriedigend" sich am Elend anderer Menschen zu ergötzen....getreu dem Motto "In meiner Bude siehts doch nicht soooo schlecht aus wie bei anderen." Und für den normal orientierten Fernsehkonsumenten gibt's ja auch immer noch die Fernbedienung mit den vielfältigen Möglichkeiten des "Weiterschaltens".

Mein seliger Vater hat mir seinerzeit einen Satz mit auf meinen Lebensweg gegeben. Er sagte "Wundere Dich im Leben über nichts, es gibt von allen Dingen stets eine Steigerung." Und damit hatte er völlig Recht. Denn wie sonst würden die folgenden Geschehnisse anders zu erklären sein.

Einsatzkräfte in der Nähe von Teisingen mussten bei einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang unlängst zwei Mann dafür abstellen, einen Sichtschutz auf zu bauen um die zahlreich anwesenden Gaffer vom Filmen ab zu halten.

Auf der A-24 zog die Polizei in der Nähe von Gudow einen Autofahrer aus dem Verkehr, der den laufenden Verkehr behinderte indem er extremst langsam fahrend mit seinem Smartphone eine Unfallstelle filmte.

Diese Liste liese sich noch unendlich weiter fortführen.....von den verbalen und körperlichen Angriffen auf Hilfs- und Einsatzkräfte will ich jetzt noch gar nicht reden. Wobei das dann bezogen auf das Zitat meines Vater "Es gibt von allem eine Steigerung" auch wieder passt.

Bislang droht Schaulustigen, die Rettungsgassen versperren oder am Unfallort umherlaufen und damit Rettungskräfte behindern, bis zu ein Jahr Haft. Das Gesetz dazu war im Mai 2017 auf Initiative Niedersachsens in Kraft getreten. Zudem wird das Fotografieren beim Gaffen etwa aus dem Auto heraus auch ohne Behinderung von Rettungskräften seit Ende 2017 mit Geldbußen von bis zu 1.000 Euro bestraft, zudem kann das Handy eingezogen werden.

Doch scheinbar reichen selbst diese Strafen noch nicht.

Seit einiger Zeit kursiert im Net ein Video mit dem Titel

"Schaulustige - Sei kein Gaffer" 

Bei diesem Kurzfilm handelt es sich um ein von der Sparkasse Osnabrück gefördertes Filmprojekt mit der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück, dem Bürgerverein Wüste e.V. und den Filmemachern Elena Walter und Emanuel Zander-Fusillo von der Blickfänger GbR.


Vielleicht ist dieses Projekt ein Weg zumindest einige "Idioten" von ihrem Gaffer-Syndrom zu heilen.


Co/by Redaktion SL-Süd-Online 2018