Der Weihnachtshase...

20.04.2019

...eine Geschichte von Paul van Hoff

Dies ist die Geschichte vom Ostermann, ach nein, es ist der Weihnachtshase. Auch nicht... also noch mal von vorn, es ist ja auch etwas verwirrend.

Also, dies ist die Geschichte vom Osterhasen der ein Weihnachtsmann sein sollte. Um Euch diese Geschichte erzählen zu können, müsst Ihr noch das eine oder andere wissen.

Viele Menschen glauben dass ein

Weihnachtsmann nur wenige Wochen im Jahr arbeitet. Ein paar Wochen in der

Weihnachtszeit die Menschen glücklich machen und den Rest des Jahres frei machen. Aber so ist es nicht. Die Weihnachtsmänner, und auch ihre Frauen, haben 8 Monate im Jahr sehr viel zu tun.

Sie beobachten die Kinder ob sie das ganze Jahr über auch redlich und brav sind. Das gilt natürlich auch für die Erwachsenen. Und dann müssen sie auf dem laufenden sein, was die Menschen auf der Erde sich so wünschen. Ein Weihnachtsmann, und auch seine Frau, wissen deshalb ganz genau was ein Game Boy, ein Milchaufschäumer, Ein I-Pod oder auch ein LCD-Bildschirm ist. Dann müssen sie sich das ganze Jahr über um die Wunschzettel und die Verteillisten der Geschenke kümmern...... das ist wirklich ne ganze Menge.

Dadurch bleibt natürlich wenig Zeit sich auch noch um Nachwuchs zu kümmern, wie man sich denken kann. Deshalb bekommen der Weihnachtsmann und seine Frau, wenn sie kurz vor der Rente stehen, ein Kind, das Ihnen bei der Arbeit helfen und sich um die beiden im

Alter kümmern soll. Ein Kind das gleich bei der Arbeit helfen soll? Ihr wundert euch jetzt sicherlich. Nun auch diese Sache ist anders geregelt als bei den Menschen. Die Kinder von den Weihnachtseltern sind immer fast erwachsen, wenn sie bei Ihren Eltern

ankommen. Sie altern halt einfach schneller als Menschen, oder habt Ihr schon mal einen jungen Weihnachtsmann gesehen? Es ist klar, dass bei all diesen Dingen auch mal das eine oder andere schief läuft und nicht so kommt, wie es eigentlich hätte kommen sollen.

So liebe Leser. Diese Dinge mussten hier gleich am Anfang ein wenig erklärt werden.

Und jetzt kann sie endlich losgehen, die Geschichte vom Osterhasen der ein Weihnachtsmann werden sollte. "Da....hast Du das gehört?" die Weihnachtsfrau sah ihrem Mann in die Augen. Beide lagen noch in ihrem Bett und eben war ein Geräusch aus der unteren Etage ihres Weihnachtshauses zu hören. "Ja, hab ich auch gehört" gähnte der Weihnachtsmann, er war noch sehr müde. Die letzten Wochen waren wie in jedem Jahr sehr hart für die beiden gewesen. Aber diesmal war ´s doch noch etwas schlimmer gewesen als die Jahre zuvor. Ein Wunder war das aber nicht, schließlich waren beide schon ziemlich alt, er 198 und sie 193 Jahre. Der Weihnachtsmann würde also in 2 Jahren in den Ruhestand gehen. Und deshalb wunderten sich die beiden nicht über das Geräusch, welches sie grad gehört hatten. Im Gegenteil, sie freuten sich darüber denn es konnte nur bedeuten, dass sie eben gerade ihr Kind geliefert bekamen. Während der Weihnachtsmann sich gerade noch einmal umdrehen wollte, stand die Weihnachtsfrau auf, zog sich ihren roten Morgenmantel und die Hausschuhe an und machte sich auf den Weg in die Diele ihres großen Weihnachtshauses.

Schon als sie die Treppe von der oberen Etage herunter ging, erkannte sie die große wiegen artige Verpackung, die neben der Treppe gleich vor der Haustür stand. Die Weihnachtskinder werden nämlich immer direkt ins Haus geliefert, weil der Weihnachtsstorch einen

Generalschlüssel für alle Weihnachtshäuser hat. Schließlich ist es ja im Januar noch ziemlich kalt und da kann man schließlich keine Kinder vor die Tür legen. Neugierig kam die Weihnachtsfrau näher, um sich ihr Kind etwas genauer an zu schauen. Sie kniete sich vor der

Kiste und öffnete sie sehr vorsichtig. Oben im Bett bemerkte der Weihnachtsmann, dass seine Frau schon aufgestanden war.

"Hhhhhmmmmmmmm" brummte er..... "kann es wieder nicht abwarten hmm?" er sprach immer mal mit seiner Frau, auch wenn diese es gar nicht hören konnte. Das war so eine kleine Marotte, die er sich in den letzten 150 Jahren im Umgang mit seiner Frau angewöhnt hatte.

"Ahhhhhhhhhhhiiiiiii..... Was ist denn das? Oh nein!"..... das Geschrei seiner Frau sorgte dafür, dass der Weihnachtsmann schlagartig hellwach war. Schnell zog er seine Hausschlappen an und schlurfte zur Treppe.

"Was ist denn los?" rief er mit seiner Reibeisenstimme die Treppe hinunter. "Was kann Dich so aus der Ruhe bringen, so habe ich dich ja zuletzt vor 70 Jahren erlebt." Er erinnerte sich noch sehr genau, damals waren sie in den Urlaub geflogen und die Rentiere der beiden hatten den Schlitten statt nach Hawaii doch glatt zum Südpol gezogen, obwohl beide endlich mal am Meer Urlaub machen wollten.

"Schau Dir das mal an, was haben die uns hier geliefert?" "Wieso, ist´s zu klein? Ich hatte einen Jungen so um die 10 bis 12 Jahre bestellt" Der Weihnachtsmann kam schnell die Treppe herunter, und als er bei seiner Frau und der Kiste angekommen war, sah er die Bescherung. Weihnachtskinder kommen eigentlich immer schon in der richtigen Kleidung, die auch automatisch mit ihnen mitwächst. Also ein roter Mantel, schwarze Stiefel, rote Hose und vor allem die Mütze. Nur der weiße Bart fehlte halt am Anfang noch.

Aber was war das in der Kiste? Es hatte ein braunes Fell, eine schwarze Stupsnase, sehr große Ohren und einen kleinen Bürzel am Hintern. Vor allem aber hatte es keine Kleider am Leib. Keine Hose, keinen Mantel, keine Stiefel und natürlich auch keine Mütze. "Was hast Du da bloß wieder bestellt? Wieder so ein Sonderangebot vom Himmeldiscounter?" Frau Weihnachtsmann konnte sich nicht beruhigen. Ihr war inzwischen vor Aufregung so warm geworden, dass sie sogar ihren Morgenmantel ausgezogen hatte. Mit einem kleinen elektrischen Ventilator pustete sie sich selbst frische Luft zu. "Ich glaube.... aber das kann eigentlich nicht sein" der Weihnachtsmann überlegte fieberhaft. "Ich denke, dass das ein Osterhase ist..."

"Ein Osterhase? Was soll das denn sein? Wie kann denn das angehen? Die arbeiten und leben doch in einer ganz anderen Welt." Durch das laute Gespräch war nun der kleine Osterhase gerade langsam wach geworden. "Hallo Mama, hallo Papa" rief er den beiden zu, während er begann, sich in der Kiste langsam aufzurichten. Herr und Frau

Weihnachtsmann sahen sich erst völlig verdutzt an und schauten dann zum kleinen Osterhasen.... Aber sie brachten absolut kein Wort heraus.

Außer dem kleinen Ventilator hatte Frau Weihnachtsmann jetzt noch einen kleinen

Fächer in der Hand.... Ihr war richtig warm. "Ha ha ha hallo kleiner Hase," der

Weihnachtsmann hatte sich als erster wieder gefangen. "Wie geht's Dir? Wie war die

Reise?"

"Och danke Papa, ich habe ja die meiste Zeit geschlafen, aber sag mal, ist´s bei Euch immer so kalt? Und was ist das für ein weißes Zeug da draußen vor dem Haus,?" Der kleine Hase war eben aus der Kiste geklettert und schaute bei seinen letzten Worten aus dem Fenster und sah wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben Schnee. Jetzt gab's ein knackendes Geräusch, Frau Weihnachtsmann hatte sich auf einen Stuhl, der neben der Garderobe stand, fallen lassen. "Sag mal Du redest mit ihm, als wäre das die natürlichste Sache der Welt, dass wir einen Osterhasen bekommen haben?"

"Aber da kann doch der kleine Kerl nichts dafür, hhhhmmmmm? Mein Kleiner?" der

Weihnachtsmann hatte sich inzwischen auf die Treppe gesetzt, den kleinen Hasen auf sein rechtes Bein genommen und begann, ihn hinter den Ohren zu kraulen. "Jetzt kraulst Du ihn schon, damit solltest Du gar nicht erst anfangen, wir müssen ihn eh wieder zurück schicken." "Aber das wird nicht gehen," erklärte der Weihnachtsmann seiner Frau. "Ein Rückgaberecht haben nur die Menschen bei irgendwelchen Dingen und Geschenken die kaputt sind oder ihnen nicht gefallen oder so. Unsere Kinder werden uns zugeteilt, auch wenn wir sie bestellen und uns aussuchen können wie unser Kind aussieht, aber umtauschen? Das wird nicht gehen". Jetzt war für Frau Weihnachtsmann der Tag endgültig gelaufen. Das musste sie erst einmal verdauen.

Sie ging in die Küche um sich eine Tasse Weihnachtskaffee zu kochen....

Von dort aus hörte sie, wie ihr Mann mit dem Osterhasen auf dem Flur begann Fußball zu spielen. Sie schaute um die Ecke und musste das erste Mal an diesem Morgen schmunzeln. "Wo hast Du denn den Ball her, Mann?" "Frau, den Ball habe ich aus einem Wunschzettel eines sehr verwöhnten Jungen aus reichem Hause gestrichen......der Bengel hat einen Riesenwunschzettel geschickt und auf der Rückseite schrieb sein Vater, dass ich ihm bitte nicht alle Wünsche erfüllen solle. Das tut dem Jungen nicht weh, und unser Wastel hat jetzt sein erstes Spielzeug." "Wastel ? .......Wastel.....wer?"

"Na unser Hase, unser Weihnachtshase.....er muss doch einen Namen haben." Der Weihnachtsmann setzte sich auf den Boden neben den kleinen Hasen. "Hab eben kurz übers Wolkentelefon mit einem Kollegen, einem Weihnachtsmann aus Kanada gesprochen..... der meinte bei ihnen käme so was öfters mal vor." Frau Weihnachtsmann setzte sich zu den beiden, was ihr, angesichts des Alters doch etwas schwer fiel. "Ach was......so so......kommt öfters vor ja? Der Hase kann doch unmöglich Deine Nachfolge antreten...... stell Dir das doch mal vor....da warten in 2 Jahren

Menschenkinder auf einen Herren mit weisem

Rauschebart und dann kommt da ein

Hoppelpoppel um die Ecke gehüpft."

"Ach Frau," Der Weihnachtsmann nahm seine Frau zärtlich in den Arm und zusammen schauten beide dem Hasen zu, wie er mit dem Ball auf dem Flur spielte. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir quasi umsatteln."

"Um.....um was?" "Umsatteln......ich glaube, die

Menschen nennen so was den Betrieb umstrukturieren....... die nächsten beiden Jahre mache ich noch ganz normal meinen Dienst. Wastel hilft mir schon beim Einladen und Ausliefern. Und danach schließen wir beide unseren Betrieb, und Wastel macht als Osterhase einen neuen Laden auf."

Die Frau vom Weihnachtsmann überlegte......... vielleicht hatte ihr Mann ja Recht. Denn so groß war der Unterschied zwischen Weihnachten und Ostern bei den Menschen ja die letzten Jahre nicht mehr. Auch zu Ostern überhäuften die Menschen sich seit einigen Jahren mit einer Unmenge an Geschenken. Sie nickte vor sich hin. "Vielleicht hast Du Recht, Mann. Dann könnte ich mir die Menschen vielleicht auch mal anschauen.....denn auf Deinem Winterschlitten war es mir ja immer viel zu kalt." "Das stimmt Frau," der Weihnachtsmann lächelte zufrieden.

"Ostern ist es immer wärmer.....sehr viel wärmer."

Auszug aus dem Buch "Da lachen ja die Pferde" von Paul van Hoff

Paperback ISBN-13: 978-3745086713

Paperback ISBN-13: 978-3745086713

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