Erfde - Erfolgreiche Rettungsaktionen durch die Kitzrettung Erfde e.V.

03.07.2018

SPR/TPH

Jedes Jahr sterben auf unseren landwirtschaftlichen Flächen viele Tausend Tiere durch Mähgeräte. Im Mai und Juni ist die Zeit der ersten Frühmahd. Dann werden die Wiesen gemäht um Grassilage zu machen. Doch von April bis Juni ist auch die Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere. Die Wiesen dienen dabei meist als Deckung.

Der Verein "Kitzrettung Erfde e. V." hat es sich zur Aufgabe gemacht möglichst viele dieser Tiere vor dem Mäher zu retten. Im Januar 2018 wurde der Verein offiziell gegründet, doch schon Jahre vorher waren einige der Gründungsmitglieder während der Frühmahd auf den Wiesen unterwegs.

Bestehend aus mittlerweile 10 Mitgliedern und ca. 12 - 14 freiwilligen Helfern sind sie im Mai und Juni fast täglich auf den Wiesen auf der Suche nach Kitzen. Dabei ist die Kommunikation mit den Landwirten und Jägern äußerst wichtig.

Bevor gemäht wird setzten sich der Landwirt oder die Jäger / Jagdgemeinschaften mit dem Verein in Verbindung. Dann gehen sie gemeinsam die Wiesen ab um eine Schätzzeit für die Dauer der Suche zu haben. Danach teilt der Verein über Handy seinen Mitgliedern Ort und Zeit der Suche mit.

Am Tage der Mahd wird die gesamte Wiese in engmaschige Reihen nach Kitzen und anderen Wildtieren durchsucht. Wird ein Kitz gefunden, schützen sie es durch einen Korb, der über das Tier gestellt und im Boden befestigt wird, und einen Warnwimpel, der die betroffene Stelle kennzeichnet. Dadurch wissen die Landwirte, wo die Tiere liegen und lassen diese Ecken beim Mähen aus.

Engmaschig werden die Wiesen durchsucht

Dabei bedarf es höchster Konzentration und Erfahrung um die gut versteckten Kitze zu entdecken

Mit zweckentfremdeten "Kartoffelkörben" werden die Kleinen gesichert......die Körbe werden durch selbstgebaute Erdspieße fest verankert.....

...anschließend mit einer "Mütze" versehen....

...gegen die Sonnenstrahlung mit Gras abgedeckt und dann mit Wimpeln markiert um für die Landwirte sichtbar zu sein....

2018 war ein sehr erfolgreiches aber auch anstrengendes Jahr für die Kitzrettung. In den 6 Wochen im Mai und Juni haben 26 Landwirte diese Hilfe in Anspruch genommen. Die ehrenamtlichen Helfer haben dabei 96 Wiesen mit einer Gesamtfläche von 180 Hektar zu Fuß abgesucht. Dabei legten einige Vereinsmitglieder eine Strecke von 360 Km zurück.

Doch es hat sich gelohnt. 56 Rehkitze konnten gesichert werden. 12 große Kitze und einige Hasen wurden vertrieben und ein Igel und ein verletzter Storch in Sicherheit gebracht. "Wir tun es für die Tiere", erzählten Daniela Wangerin und Cathrin Ochsenknecht. "Es ist uns eine Herzenssache. Wir würden gern noch mehr Wiesen durchsuchen, aber uns fehlen Helfer. Und leider auch die nötigen Finanzen um technische Hilfsmittel wie z. B. eine Drohne mit Wärmebildkamera anzuschaffen."

Sämtliche Vereinsmitglieder und Helfer planen diese intensive Zeit schon lange im Voraus ein. Sie nehmen dafür extra Urlaub, bummeln Überstunden ab oder planen ihre Termine so, dass sie jederzeit verfügbar sind. Und das alles ehrenamtlich. Der Verein lässt sich die Suche nicht bezahlen. Alles benötigte Material, wie z. B. Körbe und Warnwimpel, muss durch Spenden finanziert werden.

"Bei uns fragen Helfer aus Schleswig, Kiel und manchmal sogar aus Hamburg an um mitzuhelfen", erzählte Cathrin Ochsenknecht. "Leider ist der Weg teilweise sehr weit, sodass wir den Anfragenden empfehlen sich an die Jagdgemeinschaften vor Ort zu wenden, die meistens ebenso wie wir Helfer benötigen. Wir nennen ihnen Alternativen vor Ort, aber es gibt Helfer, die sich trotz des Weges für uns entscheiden. Das ist auch in Ordnung. Denn Jeder, der helfen möchte, ist bei uns sehr willkommen." "Die Helfer müssen nicht gleich jeden Tag stundenlang mit uns auf Suche gehen", ergänzte Daniela Wangerin. "Uns sind auch Leute willkommen, die uns vielleicht nur mal eine halbe oder eine Stunde unterstützen. Auch diese kurzen Hilfen sind sehr wertvoll für uns. Denn die Suche ist reine Schwerstarbeit. Ständige Konzentration auf unebenen Gründen mit teilweise sehr hohem Gras ist pure Anstrengung."

Da würde eine Drohne schon einiges an Arbeit erleichtern. Doch der Weg dahin ist noch weit. Jede Spende bringt dem Verein einen Schritt weiter ans Ziel.

Deshalb starten wir von der Redaktion der SL-Süd-Online einen Spendenaufruf. Liebe Leserinnen und Leser, seht euch die Homepage der Kitzrettung an, und überlegt doch einmal, ob die Rettung unserer Wildtiere nicht eine kleine Spende wert ist.

Und falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, nächstes Jahr im Mai und Juni mal Zeit haben, erleben Sie doch selbst einmal das tolle Gefühl vor einem Kitz zu stehen und zu wissen: "Ich habe ein klein bisschen dabei geholfen, das dieses Tier weiter leben darf."

Wir von der Redaktion waren von der Erzählung so angetan, dass wir im nächsten Jahr dabei sein werden.

....der Blick von Mama scheint zu sagen "Danke, dass Ihr uns geholfen habt".....


Die Tiere haben es mit uns Menschen zum großen Teil wahrlich schwer genug.....

Quelle Fotos: Kitzrettung Erfde e.V.

Co/by Redaktion SL-Süd-Online 2018