Es gab auch mal Flüchtlinge mit deutschen Pässen

26.04.2018

Ich gebe zu dass ich zum Thema Flüchtlinge eine ganz eigene Einstellung habe. Es ist in der heutigen Zeit allgemein ein sehr schwieriges Thema. "Die sollen dahin gehen wo sie hergekommen sind".... diesen Satz hört man sehr häufig. Leider auch sehr oft von Menschen, die noch nie mit einem Menschen Kontakt hatten, mit Menschen die einfach nur ihr Leben retten wollten und vor Gewalt und Kriegen geflohen sind. Mein Haus, mein Auto mein Pferd sind oft wichtiger als anderen Menschen zu helfen. Und das Wort "teilen" kennen viele Landsleute inzwischen auch nur noch von Facebook.

Natürlich sind in den Jahren seit 2015 Seitens der Politik und Gesetzgeber viele Dinge falsch gelaufen und auch ich bin der Meinung dass Menschen die bei uns vermeintlich Schutz suchen, statt dessen jedoch Straftaten begehen, keinen Platz bei uns haben sollten. Leider werden von vielen "Kollegen" aus dem Pressebereich überwiegend negative Geschichte veröffentlicht und zum Teil auch aufgebauscht. Natürlich bringt ein Bericht über einen - in welcher Form auch immer - straffällig gewordenen Flüchtling mehr Auflage, mehr Aufmerksamkeit als eine Geschichte über Menschen aus Syrien, Afghanistan oder sonst wo her, die sich geräuschlos in einem Kleingartenverein in Kropp integriert haben oder als ganz normale Nachbarn eine Wohnung gefunden haben einer geregelten Arbeit nachgehen und in Folge dessen auch ihre Steuern zahlen.

Und ja....auch ich bin ein Nachkomme von Flüchtlingen. Meine Mutter ist im Februar/März 1945 gemeinsam mit ihrer Mutter und Bruder aus dem damaligen Ostgebieten vor der heranrückenden roten Armee geflohen.....auch meine Mutter und meine Oma wurden auf der Flucht vergewaltigt und haben letztendlich in Flintbek bei Kiel eine Unterkunft gefunden. Die handgeschriebenen Aufzeichnungen meine Mutter (103 DIN A 4 Seiten) lassen einem die Schauer über den Rücken laufen. Und schon damals hatten die Einheimischen eine extreme Abneigung gegen die Flüchtlinge mit deutschem Pass.....gegen ihre eigenen Landsleute.

Meine Mutter hat damals ein Akkordion von Hohner über die Flucht gerettet und hat es letztendlich auf einem Bauernhof gegen 10 kg Kartoffeln eingetauscht.

Marianne Höft, geb. Steinheimer. Jahrgang 1926

Quelle und co/by Thomas P. Höft

Sie lernte lernte damals meinen Vater kennen. Er wurde als ehemaliger Wehrmachtssoldat 1946 in Kiel aus englischer Gefangenschaft entlassen. Die beiden haben im September 1947 im Dom zu Lübeck geheiratet....der Lübecker Dom stand damals noch ohne seine heute weithin sichtbaren Turmspitzen da....diese wurden beim einem Bombenangriff im März 1942 zerstört.

Quelle. Michael Illgner

Meine Mutter ist 2014 gestorben doch wie gesagt, nicht ohne mir ihre Geschichte auf zu schreiben bzw. zu erzählen und auch ihre tollen Rezepte sind erhalten geblieben.

Doch was geschieht mit den Erinnerungen an Flucht und Vertreibung, wenn die Kriegs- und Kriegskindergenerationen wegsterben und Sie keine Nachkommen haben die ihnen zu hören?

Auch in meinem Umfeld gibt es Menschen die der Meinung sind, dass man die Vergangenheit doch mal ruhen lassen solle.

Leider zeigt die Erfahrung, dass sich Geschichte eben doch wiederholt. Ich habe oft gegen meinen Vater rebelliert, ich war in unserer Familie immer derjenige der den Mund auf gemacht hat, der auf Demos ging...doch ein Satz von ihm ist schon seit 30 Jahren mein Lebensmotto..

"Man sollte wenigstens ein Stück Geschichte, ein bisschen was aus der Vergangenheit kennen.....damit man die Gegenwart verstehen kann."

Zitat Friedrich J. H. Höft

Trotz ihrer schlimmen Kriegserlebnisse haben meine Eltern meinen beiden Schwestern und mir in den 1950ger und 1960/70ger Jahren eine wirklich unbeschwerte und sorgenfreie Kindheit/Jugend beschert. Wobei ich bis heute nicht weis woher die beiden die Kraft dazu genommen haben...woher sie auch die Kraft genommen haben, die Albträume meines Vaters "weg zu stecken", der bis zu seinem Tod 1987 immer wieder nachts hochgeschreckt ist und im Schlaf die Namen seiner Kameraden gerufen hat....

Gestatten Sie mir noch eine persönliche Anmerkung:

Meine Frau und auch meine Schwester und mein Schwager können allesamt wirklich toll kochen, aber die besten "Butterschwämmchen" (Klöße aus Mehl, Gries und Eiern) habe ich zuletzt im Jahr 2014 gegessen........

Co/by Redaktion SL-Süd-Online 2018