Magenta auf der Jagd

18.05.2019

SPR

Foto: Thomas Klömmer

Wer kennt sie nicht, die Firma mit der Farbe Magenta: Die Telekom. Genau der Telefon- und Internetanbieter, der bei Anfragen kleinerer Gemeinden nach Glasfaser antwortet: "Das kann bei Ihnen noch dauern." So was ist unserem kleinen Dorf, aus dem ich komme, wirklich passiert.

Jetzt ist die Glasfaser-Vermarktung in den Gemeinden rund um Kropp und Erfde mit Erfolg beendet worden. Der neue Anbieter des Glasfasernetzes, TNG, hat genügend Vertragsabschlüsse zusammen bekommen um mit dem Ausbau beginnen zu können. Glasfaser auch in den kleinen Ortschaften und dabei sogar jedes noch so weit vom Ortskern entfernt liegende Haus wird also wahr.

Doch gerade in den Monaten während und nach der Vermarktung lässt sich auch auf einmal die Telekom wieder sehen. Die Farbe Magenta wird wieder präsent.

Ich habe hierbei von den merkwürdigsten Aktionen gehört. Da werden zum Beispiel bestehende Verträge von der Telekom gekündigt, und gleichzeitig den Nutzern neue Verträge angeboten. Laufzeit natürlich wie üblich 24 Monate. Oftmals sind die Angebote "Highspeed-Tarife" mit bis zu 250 MBit/s Download und bis zu 100 MBit/s Upload. Das sind allerdings keine Glasfasertarife, soll heißen: Diese Leistung gilt nur bis zum Verteilerkasten. Von dort aus ist die ankommende Leistung abhängig von der Art der Leitung, der Entfernung vom Kasten und der Anzahl der gerade sich zufällig im Internet aufhaltenden Nutzer. Und mit über 50 Euro ist das auch nicht gerade billig.

Ich selbst bin seit langen Jahren Telekom-Kunde. An meinem vorigen Wohnort hatten wir um die Mittagszeit für etwas ein bis zwei Stunden weder Internet noch Telefon. Sämtliche Beschwerden waren ohne Erfolg. Antwort: Können wir nichts machen, wissen nicht woran das liegt. Anbieterwechsel hätte nichts gebracht, da die Leitungen nun einmal der Telekom gehörten. Die konnten also machen, was sie wollten. Bezahlen mussten wir trotzdem. Und diese neuen Angebote sind für mich typisch Telekom. Man bezahlt für eine Leistung, die man eigentlich so gut wie gar nicht erhält.

Mit Werbemobilen standen sie auch schon an einigen Standorten um neue Kunden zu finden und gleich Verträge abzuschließen. Mittlerweile bieten sie auch Glasfasertarife an. Ich habe mir diese Tarife angesehen. Sie sind nicht günstiger als die Tarife von TNG, allerdings bietet TNG mehr für den Preis. Mein Mann hat 8 Jahre in Kiel gelebt, kennt TNG  und hat nur die allerbesten Erfahrungen mit TNG gemacht. Sowohl mit den Leistungen als auch mit evtl. Service. Da war es für uns keine Frage, dort einen Glasfaser-Vertrag abzuschließen. Zumal es auch keine verbindliche Angabe der Telekom gibt, wann sie Glasfaser verlegen würde. Das könnte bei denen also noch dauern.

Glasfaser wird bis ins Haus gelegt. Es gibt keinen Leistungsverlust, egal welche Entfernung zum Verteiler besteht und wie viele Nutzer gerade im Internet sind. Man bekommt also die Leistung, für die man auch bezahlt. Und nach den 24 Monaten Laufzeit kann man sich, wenn man wirklich will, einen anderen Anbieter suchen.

Die Telekom bleibt weiter mobil. In Erfde z. B. geht sie sogar von Tür zu Tür aus Werbegründen. Und das, obwohl in Erfde der Glasfaserausbau Ende Mai 2019 beginnen soll. Gut möglich, dass die Farbe Magenta nach Erfde auch in anderen Ortschaften auf Beutezug geht.

Wäre die Telekom um einiges früher auf die Belange ihrer Kunden eingegangen, hätte sie vielleicht viele Kunden behalten können. So aber haben Telekom-Kunden sich für die digitale Entwicklung entschieden, und gehen diesen Schritt auch ohne die Telekom.

Bleibt zu hoffen, dass auch Internet- und Telefon-Nutzer, die noch nicht zu TNG gewechselt haben, bemerken, dass die Zukunft auch ohne Telekom Einzug halten kann. Wahrscheinlich sogar um einiges früher als sie sonst kommen würde.

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