Mal unter uns ...

30.03.2019

SPR

Manchmal glaube ich, dass sich in unserem Land ein neuer Volkssport entwickelt hat. Oder zumindest eine neue Sparte vom Volkssport. Vielleicht sogar zwei Sparten?

Ich rede dabei nicht vom Jogging, Nordic Walking oder sonst eine Sportart. Ich rede hier von den beiden Volkssportsparten "Immer und Überall seinen Senf zugeben (auch wenn man eigentlich keine Ahnung hat)" und vom "Meckern".

Wie sonst lässt sich erklären, dass zu jedem Bericht in den Medien immer irgendjemand was zu sagen hat? Alleine beim Fußball zeigen sich die ganzen Experten dann, wenn es mal nicht nach ihrer Nase geht. Wobei das Wort "Experten" nicht wörtlich zu nehmen ist. Meistens sind es doch eher "Couchpotatoes", die andere mit ihrem Wissen (?) bombardieren. Aber dieses Phänomen von 82 Millionen Bundestrainern schlägt leider auch in anderen Lebensbereichen hohe Wellen.

Da wäre zum Beispiel der Karneval. Eine Zeit der Narretei und Lästerei. Aber selbst dabei regen sich die Leute auf. Wer hat das in der Presse nicht verfolgt. Das Schlimme ist, wenn einer erst mal angefangen hat, findet das ganze Gerede kein Ende mehr. Wie eine Welle bauscht sich alles auf.

Viel schlimmer finde ich es aber, wenn es in wichtige Bereiche einschlägt, wie zum Beispiel in den Bereich des Rettungsdienstes. Vor einiger Zeit las ich in der Zeitung, dass während eines Rettungseinsatzes ein Passant den Rettungswagen ein Stück weggefahren hatte, weil er ihm im Weg stand. Hey, das geht so absolut gar nicht. Da ist es nur ok, wenn er dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Aber dann habe ich den Fehler gemacht und mir die Kommentare anderer Leser angesehen. Oh man, was für ein Grauen. Es war außer Beschimpfung kaum was anderes zu lesen. Aber hier wurde nicht der Passant beschimpft, der absichtlich Menschenleben in Gefahr gebracht hat, sondern Rettungsdienst und Justiz. Getreu dem Motto: Der Rettungsdienst ist sowieso immer im Wege wenn ich ihn nicht selbst brauche. Wie egoistisch ist das denn? Wobei - egoistisch finde ich fast noch untertrieben. Aber ich werde mich nicht weiter auslassen.

Auch wenn man mal in Foren irgendetwas wissen möchte und eine Frage stellt, gibt es fantastische Antworten. Beispiel: Man fragt nach der Tiefe eines Schrankes. Antwort: Keine Ahnung. Hab den Schrank nicht bestellt, weil ich ihn nicht gebrauchen kann. Hallo - wen interessiert das? Wollte ich das wissen? Seit einiger Zeit habe ich für sowas nur noch ein Kopfschütteln übrig.

Aber bei solchen Sachen, die mittlerweile in jeden Bereich rein reichen, frage ich mich immer: Ist das die Suche nach Aufmerksamkeit oder einfach (bitte entschuldigen Sie die deutlichen Worte) echte Dummheit?

Noch schlimmer (geht das eigentlich?) finde ich das ewige Gemecker. Dafür Beispiele raus zu suchen habe ich mir gespart. Das würde den Umfang dieses Artikels sprengen. Aber gemeckert wird doch über alles: Faschingskostüme für Kinder, politische und gerichtliche Entscheidungen, Einsätze von Polizei und Rettungsdienst und und und. Ob im privaten, beruflichen oder sogar im ehrenamtlichen Bereich - irgendjemand findet immer einen Grund.

Mittlerweile haben immer mehr Online-Zeitungen ihren Kommentar-Bereich gesperrt. Kluge Entscheidung? Ich bin da nicht so sicher. Denn bei vielen Seiten kann man den Eindruck bekommen, dass sie selbst auf diesen Zug aufgesprungen sind. Ihre eigenen Kommentatoren besitzen nur die Fähigkeit, es besser in Worten zu verpacken.

Das wir uns nicht falsch verstehen: Berechtigte Kritik sollte sehr wohl erlaubt sein. Sofern man damit niemanden direkt angreift oder beleidigt. Aber wenn man kritisiert, dann sollte man auch wissen, wovon man spricht. Sonst wäre es klüger, sich einfach mal mit seiner Meinung etwas zurück zu halten. Sollte das unter erwachsenen Menschen nicht eigentlich möglich sein?

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