Tea for two – für € 600 ???

12.12.2018

PvH

Ich frage mich manchmal, was in der heutigen Welt so los ist. Ich habe eine Werbeanzeige gelesen, in der eine weltweit bekannte Staubsauger-Firma eine Maschine zum Teekochen beworben hat - für € 600,00!! Geht´s noch?

Teekochen. Da nehme ich unseren Wasserkocher, befülle diesen mit Wasser, und schalte ihn an. Während dieser sich mit seiner einfachen Elektrotechnik - die dem des guten alten Tauchsieders gleich kommt - bemüht das Wasser zum Kochen zu bringen, nehme ich Teebeutel in unterschiedlicher Zahl aus dem Kasten und stelle eine Tasse oder auch Kanne bereit. Während der Kocher noch immer seiner Arbeit nachgeht, schalte ich im Wohnzimmer die dezente Entspannungsbeleuchtung ein, suche eine schöne DVD heraus und rufe meine Liebste.

Irgendwann macht es "Klack", das Wasser ist fertig, ich bereite den Tee zu, und ein schöner Abend nimmt seinen Lauf. Und das alles mit einem € 20 - Wasserkocher.

Nun bin ich ein neugieriger und technisch sehr interessierter Mensch. Also hab ich im Internet recherchiert und mich über den Anfangs erwähnten revolutionären € 600,-Teekocher schlau gemacht.

Der Verkauf dieses Gerätes wurde zwischenzeitlich gestoppt, weil die eingebaute Software nicht funktionierte. Letzte Vorabtests haben gezeigt, dass man immer wieder den Stecker ziehen musste, damit das Gerät sich neu kalibriert. Hallo???

Wir reden über Teekochen... und nicht über einen Flug zum Mond.

Während wir unseren Tee genossen, klingelte das Telefon. Eine Freundin war dran und erzählte überglücklich, dass sie sich für über € 1000 eine Küchenmaschine gekauft hätte die alles kann. "Das Gerät wiegt die Zutaten ab, zerkleinert und erwärmt auch Gefrorenes, macht fast alles selbst und es gibt ne Menge speziell dafür entwickelte Rezepte."

"Aha" sagte ich, nahm einen Schluck unseres wohlschmeckenden Tees und erzählte ihr von der besagten Teemaschine. "Toll, wo gibt's die?" war die Antwort. Nach dem Ende des Gesprächs überlegte ich, ob ich vielleicht doch rückständig war, und meine Frau und ich begannen über alte Zeiten zu reden.

Erinnern Sie sich auch noch an alte Zeiten? Ich für meinen Teil erinnere gern an das, was unsere Mütter, ich stamme noch aus den 60ger Jahren des alten Jahrhunderts, damals so gekocht haben. Ohne irgendwelche komischen mit Pulver gefüllten Tüten. Niemand weiß, was da heutzutage wirklich drin ist. Wahrscheinlich viele Bestandteile dieser Chemiebaukästen aus der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses, was auch immer.

Dennoch wird dieses Zeugs heutzutage von nahe zu jeder modernen und vor allem emanzipierten und vom Job oder den Kindern gestressten Hausfrau ins Hackfleisch gestreut, um halbwegs schmackhafte Autobahnigel, also Frikadellen, zu machen.

Ich kann mich dunkel dran erinnern, ja die 1960ger Jahren waren mitunter sehr dunkel - es gab ja damals nur 3 Programme im Fernsehen - dass meine Mutter, Gott sei ihrer Seele gnädig, für Frikadellen nichts anderes brauchte als Reste eines Tieres, welches irgendwie zur falschen Zeit am falschen Ort lebte, und in irgendeinem Fleischwolf sein Ende gefunden hatte, ein paar alte Brötchen, welche niemand mehr essen wollte und ein paar Eier. Damals noch von glücklichen Hühnern. Und dann knetete sie dieses glitschige Zeugs auch noch mit der Hand durch.... Ohne Einweghandschuhe, aber es hat herrlich geschmeckt.

Oder sie hat Hühnerfrikassee gemacht. Dazu musste das Huhn, dessen Namen uns noch im Schlaf verfolgte, quasi einen zweiten Tod sterben. Es wurde in Gänze gekocht, und nach einigen Stunden mühevoll und wiederum mit der bloßen Hand in seine kleinsten Einzelteile zerlegt. Dann wurde es mit allerlei Gemüsesorten, Reis und einer schmackhaften, erneut selbst zubereiteten Soße, zu einem derart schmackhaften Mahl gezaubert, wie es heute kaum noch jemand kennt.

Als ich früher von der Schule nach Hause kam, wurde ich nach dem Öffnen der Haustür des öfteren von einer mit herrlichem Duft geschwängerten Luft empfangen. Und das lag nicht an einem neuen Parfüm meiner Mutter oder meiner Schwestern, oder daran, dass unser Schäferhund Verdauungsprobleme hatte und schon damals durch das Ergebnis seiner Darmtätigkeit seinen frühen Beitrag zum Klimawandel leistete.

Nein, es lag vielmehr daran, dass meine Mutter selbst und eigenhändig Brot backte, welches geradezu vorzüglich schmeckte.

Heute würde ich dieses graue Brot mit meiner zusammen gezimmerten Kauleiste gar nicht mehr essen können. Aber damals ging das noch. Es wurde mit dicker Butter bestrichen. Ganz normale Butter, nicht dieses gesalzene oder mit sonstigen, phantasievollen modernen Gewürzmischungen versaute Schmierzeugs welches es heute gibt. Ganz normale Butter. Und darauf mindestens 2 oder noch besser 3 Scheiben Wurst, pro Scheibenhälfte. Ja!!!!! 6 Scheiben Wurst pro Brotscheibe. Das waren noch schöne Zeiten, ohne Kalorienliste und Nährwerttabellen.

Heutzutage backe auch ich ab und an mein Brot selbst. Aber.......ja, ich gebe es zu und bekenne mich schuldig, nur mit Hilfe so eines  Hausbäckers, welchen man mit einer Fertigmischung und Wasser sowie Sonnenblumenkernen aus dem Biomarkt gefüllt in die Steckdose steckt und dann seine Arbeit machen lässt.

Alleine um den Teig zu kneten braucht der Typ schon 1 Stunde...... meine Mutter hat das damals in 15 Minuten erledigt.

Diese Zeit hab ich selbst heute nicht mehr. Warum? Nun, es gibt heute nicht mehr nur 3, sondern gefühlte 236 Programme im Fernsehen.....irgendwas passt da immer. Und die Werbepausen dauern immer nur 3-5 Minuten. Da bekommt niemand mehr ein Brot durch-geknetet. Das reicht doch gerade mal für einen kurzen Gang ins Badezimmer um, na, Sie wissen schon......

Keine Ahnung, was die Werbefutzis sich dabei gedacht haben. Und dann will meine Frau auch immer noch zwischendurch nen Kuss haben. Keinen kurzen Knutschi, sondern nen richtigen Kuss.

Bevor ich jetzt wieder aufs Kochen zurück komme.....ja, ich weiß, es ist manchmal schwer meinen Gedankengängen zu folgen. Das fällt auch mir nicht immer leicht. Und fragen Sie mich nicht warum, aber ich denke gerade an dieses ganze Puheii, welches der Mensch,  also nicht mein Nachbar, sondern der allgemeine Mensch, also der, der weit von mir weg sein Dasein fristet, zum Beispiel um eine Krötenwanderung macht.

Wenn man sich das aber mal genau überlegt, also von der menschlichen Seite her, passt auch das Verhalten der Kröten nicht in unser Weltbild.

Ich sehe in Gedanken Ihre verwunderten Augen. Das könnten.....ich sage bewusst "könnten" Sie sich selbst erklären, wenn Sie nicht nur in der, für die Volksverblödung verantwortlichen Tageszeitzeitung..... äh....Moment.....ach ja, diese BLÖD Zeitung, blättern würden. Bei den Kröten.....ja, ich meine genau diese absurd hässlichen Geschöpfe, die schon so ungefähr seit 10 Mio. Jahren auf diesem Planeten umher hüpfen.......und die nie eine Zeitung gelesen haben, also bei diesen Tieren, die übrigens mit Vorliebe diese lästigen Fliegen fressen, die immer auf unserer Obsttorte landen.......also bei diesen Tieren ist die Emanzipation...... was für ein Wort.....schon sehr viel weiter, als es bei uns Menschen irgendwelche Gesetze je hinbekommen.

Bei den Kröten steigen nämlich die Männchen auf das Weibchen.....ok ok, das haben wir auch schon mal in irgendwelchen Pornofilmchen im Bio-Unterricht oder, wenn "Mann" in beiden Fällen geschlafen hat, halt im Privat-TV gesehen. Bitte machen Sie ihr Kopfkino aus. Also, bei den Kröten tragen die Weibchen nach dem Paarungsakt......igiiit, man will sich gar nicht vorstellen.... jedenfalls schleppen die Mädels ihre Kerle nachdem alles vorbei ist noch Tagelang auf ihrem Rücken mit sich rum. Keine Ahnung was das für einen Sinn macht..

Wie finde ich jetzt wieder zum Kochen zurück. Ich versuch`s mal mit Kartoffelstampf. Also früher wurden dafür Kartoffeln, meist von den Kindern des Hauses unter dem Schweiße ihres Angesichts, geschält. Das hing oft auch mit den Leistungen in der Schule zusammen. Na kommt, liebe Leute, bei einer Note 1 oder 2 war das Essen fertig, für ne 3 oder 4 war man an der Nahrungsbereitung beteiligt, und bei ner 5 oder 6, gab`s nur ne Scheibe Brot.

Aber am Sonntag.......da gab`s immer Kartoffelstampf aus selbst geschälten, mit Andacht gekochten und anschließend verprügelten Kartoffeln zu irgendeinem aus totem Tier bereiteten Mahl.

Und heute? Heut zu Tage macht Man(n), nee, Frau das anders. Da wird eine Tüte mit trockenem Pulver, welches man oder auch Frau, in trockenem Zustand auch mit Tapetenkleister verwechseln könnte, geöffnet und man rührt dieses Zeugs mit heißen Wasser an. Und das Schlimmste ist..........ES SCHMECKT AUCH NOCH.....irgendwie, zumindest wenn man noch ein paar Röstzwiebeln mit `reinrührt (Das steht aber nicht auf der Packung).

Und weil das alles noch nicht zum zivilisiertem Leben reicht, gibt es eben seit neuestem dieses Software-gesteuerte Gerät zum Teekochen. Kostet € 600. Braucht man das wirklich?

Keine Ahnung wie sich die Welt entwickelt. Im Zweifelsfall abwarten - und Tee trinken.

© SL-Süd-Online 2018